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Glossar

Real Book

Im Umfeld des Bostoner Berklee College und insbesondere des Bassisten Steve Swallow entstand im Lauf der 70er Jahre ein Fake Book, das sich innerhalb kürzester Zeit unter jungen Modern-Jazz-Musikern durchsetzen sollte. Sein Titel, eben R.B., ersetzte schließlich sogar die ältere Gattungsbezeichnung „Fake Book“. Der Erfolg des ersten R.B. ist heute nicht mehr ohne weiteres nachvollziehbar und muss sicher auch mit stark mythologischen Faktoren erklärt werden, darunter die erwähnte Beziehung zum damals sagenumwobenen Berklee College und die plakative Illegalität des Werks. Trotz zahlreicher Überarbeitungen (heute gilt die sog. „Fifth Edition“ als maßgeblich) wimmelt es im R.B. von Schreibfehlern, die skurrilerweise dann sogar in die musikalische Praxis Eingang fanden, und obskurem Songmaterial, das auf dem Weg zum Standard zweiter Sieger geblieben ist (Für Kenner: kurzer Musikerwitz? Hotel Hello). Ähnliches gilt von den ebenfalls illegal publizierten Folgebänden, den Versionen für Bb- und Eb-Instrumente sowie dem „Vocal R.B.“. Seit Ende der 80er Jahre veröffentlichte der Verlag des kalifornischen Bassisten Chuck Sher mehrere sog. „Legal R.B.s“, die inhaltlich wesentlich besser recherchiert sind.