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Glossar

Nationalsozialismus, Jazz im

Genas der Jazz schon in der Weimarer Republik große Beliebtheit und wurde er gleichzeitig als "Nigger-Musik" verschrien, so verbreitete er doch internationales Flair. Ein Flair, das man bis 1936, zu den Olympischen Spielen in Berlin, gut gebrauchen konnte. Erst nach der Illusion von Weltoffenheit begann man, die "Schwarzenmusik" zu verbieten und sich deutschtümelnden Klängen hinzugeben.
In den Lokalen gab es nun "Tanzmusik", die freilich sehr stark an Jazz erinnerte (sofern niemand von der Reichskulturkammer zugegen war). Oft erinnert man sich heute, dass englischsprachige Titel einfach einen deutschen Namen bekamen, um ungeschoren durch die Razzien zu kommen.
In manchen modernen Dokumentationen erscheinen Jazzfans aus der Zeit des Nationalsozialismus beinahe als Widerständler; ob jazzige Musik als winziger Lichtpunkt Unterhaltung in einer vom Krieg und anderen Gräueln geschüttelten Zeit für das Label "Widerstand" ausreicht, darf gerne kritisch hinterfragt werden. Wenige der damaligen Fans blieben nach 1945 an der Weiterentwicklung dieser Musik interessiert. Ein bewegendes Zeitdokument stammt allerdings gleichfalls von einem Musiker, nämlich dem Gitarristen Coco Schumann.