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Glossar

Doppeldominante

Der verdienstvolle, einstmals in Berlin tätige klassische Theoretiker de la Motte erklärt in seiner unkonventionellen und lesenswerten Harmonielehre, warum er die D. (also den Dominantakkord auf der II. Stufe, folglich die Dominante zur Dominante) für den „Wiener Klang“ hält. Unabhängig davon ist die D. aber auch ein typischer Sound des Songwriting im 20. Jh., speziell auf dem amerikanischen Kontinent. Vielleicht ist der verbindende Faktor die Beliebtheit der Gitarre als Begleitinstrument? Denn auf ihr liegt die D. so augenfällig bequem „gleich rechts neben der Tonika“. Sicher ist, wie selbst oberflächliches Hören von frühem Jazz schnell erweist, dass es die Begeisterung für die D. war, die dem harmonischen Jazz-Klischee per se, der Verbindung II-V-I, den Weg ebnete. Denn die Verwendung des eigentlich diatonischen Mollsept-Akkords der II. Stufe ist eine sekundäre, spätere Errungenschaft, die erst im Bebop so richtig inflationär auftaucht.